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Der Lesetipp im Februar – diesmal ein Beitrag des Leseclubs.

Theresia Enzensberger (2019): Blaupause, dtv Verlag, 256 S.

Buchcover © dtv Literatur

Das Buch war beim letzten Treffen vorgestellt und ausgewählt worden. Entscheidend für die Wahl war das Thema Bauhaus mit seinen berühmten Protagonisten Gropius, Kandinsky, Klee und die Zeit der 20er Jahre. 

Die Handlung: Die junge Studentin Luise Schilling beginnt 1921 ihr Studium am Bauhaus. Das ist nicht unproblematisch. Angefangen von der notwendigen Erlaubnis des Vaters bis hin zu der vorherrschenden Meinung, dass Architektur kein Studium für Frauen sei. Luise muss sich orientieren und herausfinden, welche Gewerke, welche Lehrmeister, welche anderen StudentInnen zu ihr passen. Sie freundet sich mit einer Gruppe an, die verschworene Anhänger von Johannes Itten sind, einem Meister, dessen Lehre mit Mazdaznan, einer esoterisch-spirituellen Kunst- und Lebensphilosophie, verbunden ist. Zu dieser Gruppe gehört auch Jacob, ein Mann von jünglinghafter Schönheit und rätselhaftem Verhalten, mit dem sie eine unglückliche Liebesbeziehung eingeht. Luise empfindet die Gruppe zunächst als fremdartig interessant, wächst dann hinein, aber es treten zunehmend Widersprüche auf, die schließlich zum Bruch führen. Durch das Machtwort ihres Vaters, der der Meinung ist, dass Luise etwas lernen soll, das sie auf den Ehestand vorbereitet, muss sie das Studium abbrechen und drei Jahre eine Haushaltsschule besuchen. 1926 nimmt sie ihr Studium wieder auf, nachdem das Bauhaus von Weimar nach Dessau umgezogen ist. Sie macht ganz neue Erfahrungen, weil sie durch den Bruch mit ihren Eltern ihren Lebensunterhalt selbst verdienen muss. Sie ist jetzt in einer Gruppe von Studenten, die ganz anders sind als die asketisch strengen Itten-Jünger. Man diskutiert, ist freizügig, feiert das Leben. Mit einem aus der Gruppe, Hermann, entsteht eine Liebesbeziehung. Luise vertieft sich in ihr Studium, kämpft um Anerkennung, entwickelt eigene Vorstellungen in der Architektur. In ihrer Gruppe schwankt Luise zwischen Genießen des freizügigen, leichten Lebens mit Esprit und Bohème-Charakter und dem empfundenen Mangel an Zielstrebigkeit und Ernst, der insbesondere in ihrer Beziehung mit Hermann zu Problemen führt, bis hin zum Verdacht, dass Hermann mit nationalsozialistischen Auffassungen sympathisiert. Nach Gewalttätigkeit von Hermann beendet Luise die Beziehung, was auch einen Riss in der Gruppe nach sich zieht. Es entwickelt sich eine Freundschaft zum Gruppenmitglied Friedrich, die durch Ernsthaftigkeit, Sachbezogenheit, Kameradschaftlichkeit geprägt ist. Durch Friedrich, der in einer antifaschistischen Bewegung aktiv ist, eröffnen sich für Luise wieder neue Zusammenhänge. Schließlich scheint der erfolgreiche Abschluss des Studiums mit der Präsentation ihrer Arbeit gefährdet, als sich herausstellt, dass der große Gropius, dem sie ihren Entwurf gezeigt hatte, diesen offensichtlich für ein eigenes Projekt verwendet hat, und nun wird natürlich die kleine Studentin des Plagiats verdächtig. Luise verlässt das Bauhaus in Wut und Bitterkeit. Sie verlässt auch Deutschland und wandert in die USA aus, wo sie als Architektin ihren eigenen Weg geht. Der Roman ist eine Ich-Erzählung, die chronologisch aufgebaut ist, aber in Zeitsprüngen verläuft, die wie Tagebucheintragungen wirken.

Die Diskussion mit 6 TeilnehmerInnen: Einhellig war die Meinung, dass der Roman gut zu lesen und interessant war. Allerdings erschien Einigen die Erzählweise zu nüchtern, sachlich, distanziert. Beispiel: Ein Kuss wurde von der Autorin als zielführend beschrieben. Vermisst wurde, emotional mitgerissen zu werden durch die Handlung, die Dialoge. Sehr informativ und anregend die Beschreibung des Studiums am Bauhaus: Die unterschiedlichen Charaktere der Meister, die neuen Lehrmethoden, der Studienbetrieb, die verschiedenen Gruppierungen der StudentInnen. Wir lernen einzelne Freunde und Freundinnen aus Luises Kreis mit ihren unterschiedlichen sozialen Hintergründen näher kennen. Die Beschreibung erscheint Einigen aber teilweise als zu oberflächlich und klischeehaft. Das Buch gibt Anregungen zu einer ganzen Reihe von Themen, über die wir sprechen: Die Architektur und die Formgebung bei Möbeln, Geräten, die in ihrer Sachlichkeit und Funktionalität etwas völlig Neues waren, aber auch heute noch zu finden sind und Bedeutung haben. Die quasi-religiöse Mazdaznan-Lehre, die an die Anthroposophie Rudolf Steiners erinnert und sektiererische Züge hat. Der aufkommende Nationalsozialismus und die antifaschistische Gegenbewegung, die auch das Biotop des Bauhauses erreichen. Wir sprechen über die Faszination, die mit der Zeit der brodelnden 20er Jahre, ihren Umbrüchen, extremen Gegensätzen, ihrer aufgewühlten Stimmung verbunden ist. Die heutige Aktualität, die sich auch in der vor Kurzem im Fernsehen ausgestrahlten Mini-Serie Eldorado KaDeWe zeigt, hat sicherlich damit zu tun, dass das Ganze jetzt genau 100 Jahre her ist, aber vielleicht auch damit, dass wir auch heute wieder durch Corona und Anderes eine hoch emotionale gesellschaftliche Stimmungslage erleben. Am Schluss des Buches erscheint eine Sachbuchempfehlung in der Wochenzeitung Die Zeit von 1965, die auf das Buch „Kleine Wirtschafts-räume in großen Städten“ von einer Autorin namens Luise Schilling hinweist. Dadurch erweist sich der Roman als Biographie einer realen Person. Allerdings nur, wenn das erwähnte Buch tatsächlich existiert. Man weiß es nicht.

Insgesamt hat uns das Thema Bauhaus und die Zeit der 20erJahre so stark angesprochen, dass wir gerne mehr darüber erfahren wollen. Auch deshalb haben wir uns für das Buch Wenn Martha tanzt” von Tom Saller entschieden, das wir bei unserem nächsten Treffen am  3. März besprechen werden.

Achim Sauerland

Ein wahres Wort …

Die Stadtbibliothek ist der wichtigste Bildungs- und Kulturbetrieb, den die Stadt Bremen hat”.

Das sagte Claas Rohmeyer, Fraktionssprecher der CDU für Kultur, Medien und kirchliche Angelegenheiten am 25.01.2022 bei buten un binnen.

Diese Haltung wünschen wir uns auch von den Politikern in Bremerhaven für unsere Stadtbibliothek!

Ein Stübchen für kleine Leseratten!

Das Team in Leherheide hat fleißig gewerkelt und ihr neues Glanzstück – ein Spielhaus – aufgebaut. Passende Schaukelsessel im Savannen-Look und ein farbenfrohes Dschungelbild runden den gemütlichen Bereich ab. Die Kuscheltiere wurden nur für das Foto platziert und müssen leider wegen Corona noch einige Zeit im Büro wohnen!

Finanziert wurde das Projekt durch die WiN-Förderung der Stadt Bremerhaven und den Freundeskreis der Stadtbibliothek. Das Team bedankt sich ganz herzlich und freut sich schon auf rege Nutzung durch die kleinen Besucher:innen.

Foto: Stadtbibliothek

Zum Welttag des Buches etwas Unterhaltsames:

Auf der Website der Deutschen Welle findet sich ein kurzweiliger und informativer Beitrag zur Geschichte des Eselsohrs. Hier der Link: https://www.dw.com/de/welttag-des-buches-eselsohr/a-57274778

Flohmarkt mal anders

Damit wir Projekte der Stadtbibliothek weiterhin unterstützen können, gibt es wieder die Möglichkeit, Bücher zu kaufen – wenn auch im kleinen Rahmen.

Die Stadtbibliothek stellt uns dafür ein Regal in der Zentralbibliothek im Hanse Carré zur Verfügung.

Taschenbücher kosten 0,50 € und gebundene Bücher 1,00 €. Das Geld bitte in die Dose stecken.

Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

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