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Der Lesetipp im September vermittelt einen Eindruck in die Arbeitsweise der Ethnologie Anfang der 1930er Jahre – und um die Liebe geht es auch.

Lily King (2015): Euphoria, C.H. Beck, 259 S.

Buchcover © C.H. Beck Verlag

Eines vorweg:  Auch wenn starke Bezüge zum Leben und Forschen der berühmten Ethnologin Margaret Mead (1901-1978), die über die Sexualität bei südpazifischen Kulturen forschte,  unübersehbar sind – die Geschichte ist fiktiv. Gleichwohl hat die Autorin sorgfältig zum Thema recherchiert und benennt ihre Quellen im Kapitel Danksagung.

Worum geht es? Die berühmte amerikanische Ethnologin Nell Stone befindet sich mit ihrem Ehemann Fen auf Forschungsreise in Neuguinea. Dort treffen sie 1932 auf den Briten Andrew Bankson, ebenfalls Ethnologe. Sie entschließen sich, zu Dritt weiter zu forschen. Alle drei haben unterschiedliche Ansätze bei ihrer Arbeit. Während Nell sich den Menschen empathisch und vorsichtig nähert und Bankson eher die Beobachterrolle einnimmt, taucht  Fen dagegen in das Stammesleben ein. Darüber hinaus  hat er große Probleme mit der Berühmtheit seiner Frau. Diese Konstellation birgt schon für sich genommen ein nicht unerhebliches Konfliktpotential. Als Bankson sich in Nell verliebt und sie sein Begehren erwidert, verstärken sich die Spannungen um ein Vielfaches, und es entwickelt sich eine fatale Dreiecksbeziehung.

Auch wenn sich die Geschichte ein wenig banal anhört, hat Lily King doch einen sehr empfehlenswerten Roman verfasst, der nicht umsonst mit dem Kirkus Prize ausgezeichnet und von der New York Times unter die fünf besten literarischen Bücher des Jahres 2014 gewählt wurde. Es gelingt ihr, mit ihren Schilderungen, einen Einblick in die gefährliche, beschwerliche und kräftezehrende Arbeit der Feldforschung zu geben. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, die Lektüre nie langweilig und man wird animiert, sich einmal mit den Arbeiten  Margret Meads zu beschäftigen. Die Spannung entsteht sowohl aus den privaten wie auch beruflichen Problemen der drei Ethnologen, durch deren unterschiedliche Charaktere King eine großartige Dramatik schafft, die einen von der ersten bis zur letzten Seite mitzieht. Darüber hinaus berührt die Tragik dieser Dreiecksgeschichte, und man ist wirklich froh, dass die echte Margaret Mead glücklicher wurde.

Esther Lindenau

Das Buch gehört zum Bestand der Stadtbibliothek!

Großer Auftritt für die Literatur

Die Stadtbibliothek und ihre Kooperationspartner – darunter auch der Freundeskreis der Stadtbibliothek – laden zum 12. Literarischen Herbst ein.

Vom 10. bis 27. September sind drei Autorinnen und ein Autor in der Stadtbibliothek zu Gast, die aus ihren preisgekrönten Romanen vorlesen werden.
Wie gewohnt wird jede Lesung von einer „Lesepatin‟ begleitet.

Zum Auftakt der Veranstaltungen tragen Sabine Urban und Dirk Böhling am Freitag, 10. September, 20 Uhr humorvolle und scharfsinnige Gedichte und Texte von Mascha Kaléko und Erich Kästner vor. Der Pianist Hans-Jürgen Osmers ergänzt die Lesung mit romantischer Klaviermusik.

Sabine Urban Foto:Anya Zuchold
Dirk Böhling
Foto: Anya Zuchold

Der literarische Reigen wird am Montag, 13. September, 19 Uhr von der Kulturwissenschaftlerin Olivia Wenzel eröffnet. Sie stellt ihren preisgekrönten ersten Roman „1000 Serpentinen Angst‟ vor. Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden (Verlagstext).
Moderation: Jutta Schmidt, Verein für Literatur und Politik.

Olivia Wenzel Foto:Juliane Werner

Am Dienstag, 21. September folgt dann der Niederländer Mathijs Deen mit seinem Roman „Der Schiffskoch‟. Statt die Weltmeere zu bereisen, fristet die Crew des Feuerschiffs Texel ein Leben an der Ankerkette. In der Alltagsroutine bilden die ausgefallenen Gerichte des verschrobenen Schiffskochs die einzigen Lichtblicke. Doch das Ziegenböckchen, das der Koch als Hauptzutat seines nächsten Menüs lebendig mit auf das Schiff bringt, setzt eine unerwartete Dynamik in Gang (siehe auch auf dieser Website „DerLesetipp im August‟).
Moderation: Dorothee Starke, Leiterin des Kulturamtes Bremerhaven.

Mathijs Deen Foto: Merijlin Doomenik

„Ich bin eigentlich Lyrikerin, doch dieser Matuschek war eine Figur, von der ich dachte, der kann ich eine Geschichte geben“, so Kerstin Preiwuß im Interview. Dass sie ihm, dem 40-jährigen Matuschek, dem nach dem Tod der Mutter das Leben allmählich entgleitet, eine glaubwürdige Geschichte gegeben hat, zeigt sie in „Nach Onkalo“. Lakonisch erzählt Preiwuß vom Überlebenskampf ihres oft sprachlosen Protagonisten und stellt uns die Welt der Abgehängten am Freitag, 24. September, 19 Uhr in Nahaufnahme vor.
Moderation: Dr. Beate Porombka, Jeanette Schocken Verein.

Kerstin Preiwuß Foto: Jorinde Gersina

Das Finale gestaltet am Montag, 27. September die Münchnerin Ronya Othmann mit ihrem Romandebüt „Der Sommer‟. Das Dorf liegt in Nordsyrien, nahe zur Türkei. Jeden Sommer verbringt Leyla dort. Sie riecht und schmeckt es. Sie kennt seine Geschichten. Sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Dringlich und berührend, wie mit aufgerissenen Augen, erzählt Ronya Othmann vom Leben im Angesicht der Auslöschung – um sich ihr zu widersetzen.
Moderation: Lena Prötzel, Landeszentrale für politische Bildung, Außenstelle Bremerhaven.

Ronya Othmann
Foto: Cihan Cakmak

Die Stadtbibliothek hat für die Veranstaltungsreihe ein Hygienekonzept ausgearbeitet. „Wir sind froh, auch in diesem Jahr bereits im September unseren Literarischen Herbst durchführen zu können. Wir hoffen, dass wir die Fenster während der Lesungen geöffnet halten können und wir haben nun auch einen Luftfilter im Veranstaltungsraum.“, freut sich die Leiterin der Stadtbibliothek Elke Albrecht. Durch die notwendigen Abstände stehen weniger Plätze als sonst zur Verfügung. Zudem wird keine Abendkasse angeboten, daher müssen die Karten spätestens am Veranstaltungstag bis 17.30 Uhr abgeholt werden. Es werden Kontaktdaten erfasst, ebenso ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung vom Eingang bis zum Platz und beim Verlassen des Platzes Pflicht. Einlass ist 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.
Wo: Stadtbibliothek Bremerhaven, Bürgermeister-Smidt-Straße 10, Hanse Carré, 2. Etage
Wann: 19:00 Uhr
Eintritt: 8,-/erm. 6,00 Euro

Eintrittskarten gibt es nur im Vorverkauf in der Stadtbibliothek

Reservierungen unter der Telefonnummer 0471 /590 2555 oder per Mail an stadtbibliothek@magistrat.bremerhaven.de.
Die Karten müssen spätestens am Veranstaltungstag bis 17:30 Uhr abgeholt werden.


Der Lesetipp im August stimmt schon einmal auf den 12. Literarischen Herbst in der Stadtbibliothek ein.

Mathijs Deen (2021): Der Schiffskoch, mare Verlag, 112 S.

Buchcover © mare Verlag

Die Mannschaft auf der Texel ist keine gewöhnliche Mannschaft – die Texel ist eben auch kein gewöhnliches Schiff. Sie ist ein Feuerschiff, das vor der niederländischen Küste vor Anker liegt. Das ist nicht unbedingt das Leben, das man sich als Seemann vorstellt und führt zu einigen seltsamen Verhaltensweisen. Insbesondere der Schiffskoch Lammert scheint eine sehr eigene Persönlichkeit zu sein. Sein ganzer Lebensinhalt besteht darin, die Crew mit immer wieder neuen Kreationen aus der Kombüse zu überraschen. So kommt er auf die Idee, eine indonesische Spezialität zu zaubern, deren entscheidende Zutat das Fleisch eines jungen Ziegenbocks ist.

Kurzerhand kauft er beim nächsten Landgang der Bäuerin Beitske ein Böckchen ab, das noch ein wenig wachsen muss, aber dann… Mit dem Argument, dass es sich um „Vorrat“ und nicht um ein lebendes Tier, das an Bord verboten ist, schmuggelt er es auf die Texel. Fortan begleitet das Klappern seiner kleinen Hufe das Leben an Bord und bringt die gewohnten Abläufe durcheinander.

Tiefe bekommt die Geschichte durch die nur angedeutete Lebensgeschichte des Schiffskoch Lammert, den in seinen Alpträumen die Erinnerungen an seine Jugend in Indonesien heimsuchen. Die geradezu poetischen Aufzeichnungen des Matrosen Gerrit Snoek zu Wind, Wetter und Zustand des Meeres geben dem Büchlein noch eine ganz eigene Farbe.

Ein skurriler, liebenswerter Lesespaß für einen Sonntagsnachmittag auf dem Sofa – die gut 100 Seiten lesen sich in einem Rutsch.

Dorothee Starke

Tipp: Das Kulturamt hat Mathijs Deen zu einer Lesung im Rahmen des Literarischen Herbstes am 21. September eingeladen.

Der Lesetipp im Juli erzählt von zwei dramatischen Ereignissen im vorigen Jahrhundert und einer Liebe in diesen schweren Zeiten.

Isabel Allende (2020): Dieser weite Weg, Suhrkamp, 381 S.

Buchcover © Suhrcamp

Der junge Katalane Victor Dalmau beginnt, im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner als Arzt zu praktizieren. Als die faschistischen Truppen unter General Franco die Überhand gewinnen, beschließt er, aus Spanien zu fliehen und nimmt die hochschwangere Frau seines Bruders, die Pianistin Roser, mit auf den Weg. Er wagt nicht, seiner Schwägerin zu erzählen, dass ihr Mann im Krieg gefallen ist. Ihre Flucht führt sie unter dramatischen Umständen über die Pyrenäen nach Frankreich.
Dort werden sie mit Zehntausenden anderer Flüchtlinge in Lager interniert, auch in Frankreich können sie nicht bleiben. Mitfühlende Menschen ermöglichen ihnen die Einreise nach Chile. Sie werden in dem neuen Land heimisch, Roser feiert Erfolge als Pianistin, er wird ein gefragter Arzt. In der Sicherheit des chilenischen Exils bleibt ihre Beziehung in der Schwebe: Sie sind durch gemeinsame Flucht und Vertreibung eng miteinander verbunden, aber haben sie eine Liebesbeziehung?
Erneut wird ihre Existenz bedroht, in Chile putschen Generale, die neue Regierung verfolgt Andersdenkende und spanische Exilanten, die vor den Faschisten geflohen sind, gehören allemal dazu.
Wieder müssen sie flüchten und finden in Venezuela eine neue Heimat. Allendes neuer Roman ist die Geschichte der beiden Hauptpersonen, von ihrer Liebesbeziehung, die lange in der Schwebe bleibt. Gleichzeitig flicht die Autorin ihre Erzählung in zwei dramatische Ereignisse des vorigen Jahrhunderts aus, den spanischen Bürgerkrieg und den Putsch der Generale in Chile.
Ich habe die Bücher von Isabel Allende immer gern gelesen, weil sie eine der Autorinnen ist, die Geschichten erzählen können, spannend, fesselnd und mit großer Empathie und Wärme. Und so leiden und hoffen wir mit den Protagonisten dieses Romans von Anfang bis Ende, bei der Flucht aus Spanien, dem verheißungsvollen Anfang in Chile und der erneuten Gefahr durch den Putsch.
Die Autorin ist chilenischer Abstammung, wahrscheinlich ist das mit ein Grund, warum das Leben von Victor und Roser uns so nahe geht. Ein anderer Grund, warum ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen habe, ist die Sprache: Immer klar, ruhig, mit fast kühlen Worten, nie pathetisch, nie künstlich und gerade deshalb so eindringlich.
Erwähnung verdient die Übersetzerin Svenja Becker, die Allendes Roman einfühlsam in die deutsche Sprache übertragen hat.

Friedrich von Bonin

Das Buch gehört zum Bestand der Stadtbibliothek!

Der Freundeskreis freut sich!

Unter dem schönen Motto „Unsere Kinderbibliothek als zweites Zuhause” hat sich der Freundeskreis bei der Town & Country Stiftung erfolgreich beworben und kann nun die Stadtbibliothek mit 1000,- € unterstützen. Es sollen von dem Geld ein Tisch sowie Stühle für Grundschüler angeschafft werden.

https://www.tc-stiftung.de/preistraeger-2021/

Etwas zum Schmunzeln: Der “Mops des Monats” im Juni.

Deutschlandfunk Kultur sammelt in seiner Sendung “Lesart” die komischsten, schrägsten, absurdesten aber auch besonders originellen Buchtitel unter den Neuerscheinungen der Verlage und küren den „Mops des Monats“. Hören Sie mal rein!

Der Lesetipp im Juni bietet einen interessanten Einblick in Leben und Denken von vier herausragenden Philosophinnen des 20. Jahrhunderts.

Wolfram Eilenberger (2020): Feuer der Freiheit: Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten (1933-1943), Klett-Cotta, 400 S.

Buchcover © Klett-Cotta

„Wenn die Weltgeschichte nicht so beschissen wäre, wäre es eine Lust zu leben“ (Hannah Arendt)

Sie sind sehr jung, sehr klug und arbeiten alle an philosophischen Fragen, vor allem beschäftigt sie die Frage nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft oder Kollektiv, bezogen auf ihr eigenes Leben: die Frage nach ihrer Freiheit.
Sie sind Anfang/Mitte zwanzig – für mich heute beeindruckend, wie „erwachsen“ und klug sehr junge Frauen sein konnten/können.
Leider verstehe ich wenig von Philosophie, dennoch sind die Erzählungen über das Leben und die Werke durch Eilenberger auch für mich nachvollziehbar.

Da ist Simone de Beauvoir – bürgerlich abgesichert, sehr gebildet, die sich die Frage stellt, wie sich in einer Liebesbeziehung das Eigene bewahren lässt trotz Seelenverwandtschaft mit dem starken Jean Paul Sartre. Können Liebesbeziehungen zu weiteren Männer, zu Frauen, zu SchülerInnen das eigene Denken und Fühlen stärken? Abhängigkeit und Unterordnung vermeiden?

Da ist Simone Weil, die die Schmerzen und Sorgen anderer intensiv fühlt und sich mit ihnen solidarisiert, indem sie in der Fabrik arbeitet und von dem wenigen Lohn lebt, im Widerstand sich engagiert oder in den Spanischen Bürgerkrieg zieht. Und die Notwendigkeit der Solidarität verstellt ihr nicht den Blick auf die Frage von Individualität und Gesellschaft, die sie bedrohlich beantwortet sieht von gleich zwei Seiten: den Nationalsozialisten, die die Individuen gleichschalten wollen zu einem „Volkskörper“, indem sie Millionen Abweichende ermorden, und den Stalinisten, die den „sozialistischen Menschen“ erzwingen wollen, und ebenfalls zu Mördern werden. Dagegen muss das Individuum gestärkt werden und sich solidarisieren. Dafür lebt Simone Weil – wundervoll und oft heimlich unterstützt von ihren Eltern.

Da ist Hannah Arendt, doppelt vertrieben aus Deutschland und Frankreich, verliebt in einen philosophiegelehrten Naziunterstützer, verheiratet mit einem Mann, der sie trotz Trennung finanziell unterstützt, dass sie ihr Leben retten kann. Wie rettet sich das Individuum in seiner Autonomie, wenn es wie sie einerseits wenig religiöse Jüdin ist, gleichzeitig in dieser Kultur verankert ist und „die anderen“ sie als solche verfolgen? Wenn es das eigene Denken achten und vertreten will, auch wenn viele jüdische Mitleidende sich wünschen, dass sie Eichmann ähnlich beurteilt? Jedenfalls privat hat sie das Glück, einen Mann kennenzulernen, mit dem sie beides gleichzeitig erleben kann: Liebe und Autonomie.

Da ist Ayn Rand, Kind des russischen jüdischen Geldadels, die als neunzehnjährige von ihrer Familie in die USA geschickt wird und wild entschlossen ist, ihr eigenes autonomes Leben aufzubauen, auch wenn es zunächst mit Armut und Leid verbunden ist. Sie will Filme (The Fountainhead) machen, entwickelt ein eigenes Theaterkonzept: Eine wesentlich philosophische Grundfrage wird an einem Konflikt vor dem Hintergrund einer Liebesgeschichte (sonst lasse sich das Publikum nicht auf die philosophische Frage ein) entwickelt und zum Schluss das Publikum aufgefordert, darüber zu urteilen, was richtig und was falsch ist. Rand spitzt die Frage nach der Individualität zu – sie ist das bestimmende Recht des Menschen.

Das passt doch gut zu der heutigen Situation: dem Neoliberalismus in der Politik, der Individualisierung: Ich will Aufmerksamkeit, höre mich, sieh mich an, nimm mich wahr! Keine Gewerkschaften, Parteien, Verbände, Kirchengemeinden; wir treffen uns auf facebook mit den anderen Individuen und vielleicht auch zu einem flashmob …

Eilenberger rekonstruiert das Leben dieser vier Frauen im Zeitraum 1933-1943 auf anschauliche Weise. Keine langweilige Chronologie, sondern ein Hin und Her zwischen den Personen und Zeiten, humorvoll und unterhaltsam. Und mit viel Respekt gegenüber diesen vier tollen Frauen.

Ingrid Müller

Das Buch gehört zum Bestand der Stadtbibliothek.

Ein Stübchen für kleine Leseratten!

Das Team in Leherheide hat fleißig gewerkelt und ihr neues Glanzstück – ein Spielhaus – aufgebaut. Passende Schaukelsessel im Savannen-Look und ein farbenfrohes Dschungelbild runden den gemütlichen Bereich ab. Die Kuscheltiere wurden nur für das Foto platziert und müssen leider wegen Corona noch einige Zeit im Büro wohnen!

Finanziert wurde das Projekt durch die WiN-Förderung der Stadt Bremerhaven und den Freundeskreis der Stadtbibliothek. Das Team bedankt sich ganz herzlich und freut sich schon auf rege Nutzung durch die kleinen Besucher:innen.

Foto: Stadtbibliothek

Der Lesetipp im Mai erzählt von der Liebe in Zeiten des Krieges.

Minna Rytisalo (2020): Lempi das heißt Liebe, dtv, 222 S.

Coverbild Lempi, das heißt Liebe von Minna Rytisalo, ISBN-978-3-423-14748-4
Buchcover © dtv

Mai ist der Monat der Liebe, und um Liebe geht es in dem Roman „Lempi“, aber ganz anders als die Klischees in unseren Köpfen. Der Roman beginnt mit der Rückkehr des jungen finnischen Bauern Viljami von der Kriegsfront. Seine Gedanken kreisen um Lempi, die er als frischgebackene Abiturientin überraschend geheiratet hat – oder hat sie ihn geheiratet? Nach einem glücklichen Sommer war er als Soldat einberufen worden und musste seine schwangere Lempi verlassen. Per Kriegspost hat er erfahren, dass sie bei seiner Rückkehr nicht mehr da sein wird. In drängender Sprache erfahren wir von seinen unerfüllbaren Sehnsüchten, Zweifeln an sich und dem Leben angesichts der nie mehr wiederholbaren einzigartigen Liebe. Wie stark äußere Umstände – in diesem Fall der Krieg – sich auf die Liebe auswirken, ist eines der großen Themen in diesem Buch. Dies wird auch am Beispiel von Lempis Zwillingsschwester Sisko gezeigt, die sich zur gleichen Zeit in den deutschen Offizier Max verliebt. Ihre Ahnung, was Liebe wohl sein könnte, wird von den sich immer wieder ändernden Lebensumständen beeinflusst, und am Ende auch von etwas, was uns allen widerfährt: dem Alter, der Reifung und der Individualität jeder Beziehung, auch über die Erfahrung von Leid hinweg. Nur eines bleibt bei ihr immer unverändert: die Liebe zu ihrer Zwillingsschwester, mit der sie ihr Leben lang im Zwiegespräch bleibt. Demgegenüber steht die von Eifersucht und Hass geprägte, auf Viljamis und Lempis Hof arbeitende junge Magd Elli, die von Kindheit an ein schweres Leben hatte, nie geliebt war und große Sehnsucht nach der bisher unerfüllten Liebe mit einem Mann hat.

Warum erscheint der Roman empfehlenswert? Die Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe zeigt viele oft nicht benannte Facetten des Themas und gleitet niemals ins Kitschige ab. Die Spannung der drei zeitgleichen Geschichten aus der Sicht von Viljami, Elli und Sisko läßt nie nach. Die unterschiedliche Sicht auf sich und die anderen Beteiligten und die Ereignisse und die jeweils unterschiedliche sprachliche Ausdruckweise der drei Erzählenden tragen dazu bei, die Vielschichtigkeit des Erlebten darzustellen. Man sollte das Buch nur lesen, wenn man wach und aufmerksam ist, da im Text immer wieder einzelne Sätze auftauchen, die unscheinbar wirken, aber von massiver Bedeutung für das Verständnis des Fortgangs des Romans sind. Ich habe es zweimal gelesen ohne ein Gefühl unnötiger Wiederholung.

Dr. Hans Joachim Schmeck-Lindenau

Der Titel kann in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden.

Zum Welttag des Buches etwas Unterhaltsames:

Auf der Website der Deutschen Welle findet sich ein kurzweiliger und informativer Beitrag zur Geschichte des Eselsohrs. Hier der Link: https://www.dw.com/de/welttag-des-buches-eselsohr/a-57274778

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