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Nächstes Treffen Leseclub!

Wir sagen einfach alles, wovor wir Angst haben heißt die Novelle von Klaus Ungerer, über die gesprochen werden soll.
Aber nicht nur das, Außergewöhnliches steht bevor! Ein entdeckter Dichter wird vorgestellt, es wird vorgelesen, und es darf kredenzt werden, was ihm/ihr kredenzenswert scheint. Aber das ist noch nicht alles, bei Weitem nicht! Alle, ob Mann ob Frau, dürfen Kekse mitbringen, keine Kerzen!, und eine Tasse ist ein Muss! Denn, ta ta ta ta, Jürgen schmeißt alkoholfreien Glühwein auf den Markt, den die Bibliothek erlaubt zu erwärmen. Na, das wird ja heiß hergehen am 1. Dezember um 17:00 h am üblichen Ort in der Stadtbibliothek.

PS: Kleiner Tipp für einen Weihnachtswunsch: Im Januar 2023 steht Die Unschärfe der Welt von Iris Wolf auf dem Plan.

Der Freundeskreis hat einen neuen Vorstand.

Am 10. Oktober 2022 fand die Mitgliederversammlung des Freundeskreises statt. Auf der Tagesordnung stand auch die Neuwahl des Vorstandes. Alle Funktionen konnten besetzt werden. Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit!

Heide von Hassel-Hüller wird zukünftig als 1. Vorsitzende die Geschicke des Freundeskreises lenken, Elke Albrecht fungiert als ihre Stellvertreterin, Ute Fitter-Kelch bleibt uns als Rechnungsführerin erhalten, Esther Lindenau wurde als neue Schriftführerin gewählt.

Ursula Rosentreter und Uwe Jürgensen ergänzen den Vorstand weiterhin als Beisitzer*in, Evelyn Meyer ist als Dritte im Bunde neu hinzugekommen. Darüber freuen wir uns sehr. Gabriele Heine verabschiedet sich als Beisitzerin. Wir danken ihr von Herzen für ihr langjähriges Engagement in dieser Funktion. Zum Glück wird sie den Freundeskreis aber bei besonderen Anlässen weiterhin tatkräftig unterstützen.


Von li. nach re.: Uwe Jürgensen, Ursula Rosentreter, Heide von Hassel-Hüller, Elke Albrecht, Ute Fitter-Kelch, Evelyn Meyer, Esther Lindenau

Elena Reimann verlässt auf eigenen Wunsch den Vorstand des Freundeskreises der Stadtbibliothek e. V.

Frau Elena Reimann war von 2015-2022 1. Vorsitzende des Freundeskreises, der auf ihre Initiative hin im Jahr 2005 gegründet wurde.
Wir danken Frau Reimann für die Idee, einen Freundeskreis zu gründen und das jahrelange Engagement als Vorstandsvorsitzende und Vorstandsmitglied von der Gründung des Vereins bis heute.
Wir wünschen uns, dass Frau Reimann auch weiterhin den Verein tatkräftig mit Ihren Ideen und Ihrer Hilfe unterstützen wird.

Heide von Hassel-Hüller
für den Vorstand des Freundeskreises

Der Lesetipp im Juli – ein Sommerbuch, nicht nur für junge Menschen.

Benedict Wells (2021): Hard Land, Diogenes Verlag, 346 S.

Buchcover © Diogenes Verlag

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb (S.11). Mit diesem ersten Satz ist der Ton des Romans gesetzt und fasst den Plot kurz und bündig zusammen. Wir begleiten den Protagonisten durch diese Zeit mit all ihren Höhen und Tiefen.

Der fünfzehnjährige Sam ist ein Außenseiter, ziemlich einsam und wohnt im Jahr 1985 mit seinen Eltern in der fiktiven Kleinstadt Grady in Missouri. Seine ältere Schwester lebt seit einigen Jahren an der Westküste der USA, sein einziger Freund ist mit seiner Familie vor Kurzem weggezogen und der Kontakt nahezu abgebrochen. Sams Vater ist arbeitslos und schweigt, zu ihm hat er keinen wirklichen Zugang. Seine Mutter arbeitet trotz ihrer schweren Krankheit in ihrer eigenen Buchhandlung. Sie ist seine wichtigste Bezugsperson.  Eigentlich soll Sam den Sommer bei Verwandten in Kansas verbringen, doch um dem zu entgehen, beginnt er einen Ferienjob im örtlichen Kino. Hier begegnet er der Tochter des Besitzers und zwei beliebten älteren Jungen, die er von der Schule kennt und die ebenfalls dort angestellt sind. Mit ihnen und durch sie wird der Sommer unvergleichbar und unvergesslich.

Hard Land ist ein Roman, in dem sich nicht nur junge Menschen wiederfinden sondern auch die ältere Generation. Beim Lesen erinnert man sich wie es war, erwachsen zu werden, an die erste Liebe, all die Unsicherheiten, Sorgen und Nöte. Es geht um echte Gefühle, um Freundschaft, den Verlust eines geliebten Menschen und die Trauer um ihn. Existenzielle Dinge also, die uns alle berühren.

Benedict Wells gelingt es wunderbar mit der Stimme eines Teenagers zu erzählen, seine Gedanken, Gefühle und Handlungen empathisch und authentisch darzustellen. Mit seinem Schreibstil hat er eine zu Herzen gehende Coming-of-Age Geschichte verfasst, die einem noch lange im Gedächtnis bleibt und nachwirkt.

Esther Lindenau

Der Roman gehört zum Bestand der Stadtbibliothek.

Der Lesetipp im Juni – diesmal von der neuen Leiterin der Stadtbibliothek: Frau Anika Schmidt.

Jenny Erpenbeck (2021): Kairos, Penguin Verlag, 384 S.

Buchcover © Penguin Verlag

An einem Tag im November begegnet die 19-jährige Katharina dem Schriftsteller Hans, Mitte 50, verheiratet. Seitdem kommen sie nicht mehr voneinander los. Katharina blickt zu Hans auf, ist beeindruckt von seinem Wissen über Kunst und Kultur. Hans ist fasziniert von der jungen Katharina, will sie ganz für sich besitzen und dennoch seine Frau um keinen Preis verlassen. Ein Drama zwischen Liebe und Gewalt, Obsession, Hass und Hoffnung beginnt. Doch das ist nur ein Teil der Geschichte. Parallel zeichnet Jenny Erpenbeck in „Kairos“ das Bild der letzten Jahre der DDR und beschreibt, wie sich die beiden toxisch Liebenden Hans und Katharina nach der Wende in einer neuen Welt wiederfinden, in der ihre Liebe verloren scheint.

Kairos ist der Gott des glücklichen Moments. Die Vergänglichkeit dieses Moments und die Angst vor dem, was wohl folgen mag, finden in diesem Roman ihren Platz. Ein packendes Buch – unbedingt lesen!

Anika Schmidt

Das Buch kann in der Stadtbibliothek im Hanse Carré und der Stadtteilbibliothek in Leherheide entliehen werden.

Der Lesetipp im Mai – nicht nur am Muttertag relevant.

Kyung – Sook Shin (2012): Als Mutter verschwand, Piper Verlag, 248 S.

Buchcover © Piper Verlag

Eine Woche ist es jetzt her, dass Mama verschwunden ist.“ Mit diesem Satz beginnt Kyung – Sook Shins Roman, der uns in das ländliche Korea und eine andere Zeit führt. Denn die nun verschollene So-Nyo Parks wird 1938 in einem kleinen Dorf in Korea geboren. Als 17-­jährige wird sie mit einem ihr unbekannten, aber nach Aussage eines Horoskops passenden 20-jährigen Mann verheiratet. Eine Rettungsmaßnahme, denn es herrscht Krieg, und marodierende Soldaten verschleppen Mädchen ihres Alters.

Sie gebärt fünf Kinder. Einkünfte hat die Familie keine, doch allein mit der Feldarbeit und großen Sparsamkeit vonSo-Nyo gelingt es, alle zu ernähren und dem Nachwuchs eine Schulbildung zu ermöglichen. Ihr Ehemann hat kein Gespür für die Nöte seiner Frau, hilft ihr nicht, schafft keine Geräte an, die ihr die mühselige Arbeit in Haus und Flur erleichtern könnten. Er lebt sein eigenes Leben. Nun ist sie verschwunden und er sitzt allein im Haus, ruft wie immer nach ihr, aber niemand antwortet. Er entdeckt Unerwartetes: Seine Frau hat einen Großteil der Geldzuwendung von der ältesten Tochter Chi-Hon, die eine anerkannte Schrift­stellerin geworden ist, an ein Waisenhaus gespendet. Als Gegenleistung erhielt sie dort etwas für sie Wichtiges: Die Leiterin las ihr Chi-Hons Buch vor. Hatte denn niemand bemerkt, dass die Mutter nicht lesen kann?

Ein oder eine nicht näher benannte Erzähler*in blickt zurück auf die gemeinsamen Erlebnisse mit der Mutter, so als würde ein Fotoalbum aus der Vergangenheit durchgeblättert. Dies sind Versuche, die ereignisreiche Zeit wieder hervorzuholen und zu verstehen. Wertschätzung und Rücksichtnahme hatte die Mutter nie erfahren; alle Familien­mitglieder haben sie als selbst­verständ­liche Institution der einseitigen Pflicht­erfüllung betrachtet und benutzt. Jetzt ist der Moment der Besinnung gekommen.

Kyung-Sook Shin hat mit „Als Mutter verschwand“ einen Roman geschrieben, der einen packt. Am schlechten Gewissen, an der Sehnsucht. Er erzählt meisterlich von Mutterliebe, von Entsagung und Reichtum, von Familienopfern und -wurzeln. Die wenigen kitschigen Momente – ja, auch die gibt es – verzeiht man gern. In Korea war das Buch ein Bestseller, es ist in mehr als 20 Ländern veröffentlicht worden, und Kyung-Sook Shin gewann dafür im vergangenen Jahr als erste Frau den Man Asian Literary Prize.

Esther Lindenau

Das Buch gehört zum Bestand der Stadtbibliothek.

Kostenloser Bibliotheksausweis für Geflüchtete!

Alle Menschen, die in den letzten drei Monaten neu in Deutschland und in Bremerhaven angekommen sind, können jetzt kostenlos einen Bibliotheksausweis erhalten und damit Medien z.B. zum Deutschlernen, Romane und Kinderbücher in anderen Sprachen und vieles mehr ausleihen.

Ein Ausweis oder Pass sowie die Meldebescheinigung reichen für die Anmeldung aus.

Finanziert wird die Aktion vom Freundeskreis der Stadtbibliothek Bremerhaven e.V.

“Wiedergelesen” im April …

Friedrich Dürrenmatt (1986): Der Verdacht, Diogenes, 128 S.

Buchcover © Diogenes Verlag

Der todkranke Berner Kommissar Bärlach liegt nach einer Krebsoperation im Hospital. In einer Illustrierten sieht er das Bild des Arztes Nehle im Konzentrationslager Stutthoff, wie er ohne Narkose operiert. Sein Freund weist ihn auf die Ähnlichkeit des Naziarztes Nehle mit einem Modearzt namens Emmenberger hin, der in Zürich ein Sanatorium für Reiche betreibt. Bärlach, obwohl hilflos und todkrank im Bett, schöpft den Verdacht, Emmenberger sei mit Nehle identisch und beginnt mit Ermittlungen. Das ist in kurzem der „Plot“ des 1952 erstmals in einer Zeitschrift als Fortsetzungsgeschichte erschienen Romans „Der Verdacht“.

Die Wiederentdeckung lohnt sich nicht allein wegen der moralischen und ethischen Auseinandersetzungen zwischen den Protagonisten. Es ist die logische Unerbittlichkeit, mit der der Kommissar seine Untersuchung durchführt, der kriminalistische Scharfsinn, die ihm in seiner Hilflosigkeit einzig bleiben, um seinem Verdacht nachzugehen, und die den Leser von Anfang in ihren Bann schlagen.

Am meisten hat mich aber bei der erneuten Lektüre die Sprachgewalt des Autors gefangen genommen. Da wird Bärlach in seinen Untersuchungen von Gulliver unterstützt, einem riesigen Juden in „alten, fleckigen und zerrissenen Kaftan“, der weltweit, hauptsächlich „bei den Sowjetern“, im Untergrund lebt, um Gepeinigte zu retten, „eine Handvoll Juden, eine Handvoll Christen“.

„Sein Kopf war kahl und mächtig, die Hände edel, aber alles mit fürchterlichen Narben bedeckt“, mit „wimpernlosen, diamantenen Augen“. Gulliver bringt Wodka an das Krankenbett des Kommissars, den er in großen Zügen trinkt, trinken muss, wie er sagt, als er erzählt, wie der Naziarzt an ihm eine Magenresektion ohne Narkose durchgeführt hat, die Gulliver als einziger überlebt hat.

Mit ganz großer Erzählkunst hält Dürrenmatt bis zum Schluss den Leser in atemloser Spannung, indem er über mehrere Seiten den Ablauf von Zeit in einer einzigen Nacht schildert, Sekunden, Minuten und Stunden, bis zum endgültigen, dramatischen Finale.

Bleibt zu erwähnen, dass der Roman an Hochspannung einem modernen Thriller in nichts nachsteht.

Friedrich von Bonin

Das Buch finden Sie auch in der Stadtbibliothek!

Aktuelles …

Nachdem wir im letzten Jahr hier monatlich einen Lesetipp veröffentlicht haben, der jeweils von Menschen unserer Stadt verfasst wurde, möchten wir das Spektrum der Buchempfehlungen erweitern. Zukünftig finden Sie hier sporadisch Lesetipps unter dem Motto “Wiedergelesen”. Der erste erscheint am 15. April, verfasst von Friedrich von Bonin. Seien Sie gespannt auf das Werk, das er Ihnen vorstellen wird.

Was Sie sich vielleicht schon immer einmal wissen wollten: Wie funktioniert eigentlich der Leseclub?

Wer den Artikel über den Leseclub im Sonntagsjournal verpasst hat, kann ihn hier nachlesen.

Aus aktuellem Anlass …

Um die Rolle der Stadtbibliothek im Rahmen der Neugestaltung der Innenstadt zu stärken, hat sich der Freundeskreis in einem offenen Brief an wichtige Repräsentant*innen der Stadt gewandt. Hier der Link zum Brief.

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