Benedict Wells (2021): Hard Land, Diogenes Verlag, 346 S.

Buchcover © Diogenes Verlag

„In diesem Sommer verliebte ich mich, und meine Mutter starb (S.11). Mit diesem ersten Satz ist der Ton des Romans gesetzt und fasst den Plot kurz und bündig zusammen. Wir begleiten den Protagonisten durch diese Zeit mit all ihren Höhen und Tiefen.

Der fünfzehnjährige Sam ist ein Außenseiter, ziemlich einsam und wohnt im Jahr 1985 mit seinen Eltern in der fiktiven Kleinstadt Grady in Missouri. Seine ältere Schwester lebt seit einigen Jahren an der Westküste der USA, sein einziger Freund ist mit seiner Familie vor Kurzem weggezogen und der Kontakt nahezu abgebrochen. Sams Vater ist arbeitslos und schweigt, zu ihm hat er keinen wirklichen Zugang. Seine Mutter arbeitet trotz ihrer schweren Krankheit in ihrer eigenen Buchhandlung. Sie ist seine wichtigste Bezugsperson.  Eigentlich soll Sam den Sommer bei Verwandten in Kansas verbringen, doch um dem zu entgehen, beginnt er einen Ferienjob im örtlichen Kino. Hier begegnet er der Tochter des Besitzers und zwei beliebten älteren Jungen, die er von der Schule kennt und die ebenfalls dort angestellt sind. Mit ihnen und durch sie wird der Sommer unvergleichbar und unvergesslich.

Hard Land ist ein Roman, in dem sich nicht nur junge Menschen wiederfinden sondern auch die ältere Generation. Beim Lesen erinnert man sich wie es war, erwachsen zu werden, an die erste Liebe, all die Unsicherheiten, Sorgen und Nöte. Es geht um echte Gefühle, um Freundschaft, den Verlust eines geliebten Menschen und die Trauer um ihn. Existenzielle Dinge also, die uns alle berühren.

Benedict Wells gelingt es wunderbar mit der Stimme eines Teenagers zu erzählen, seine Gedanken, Gefühle und Handlungen empathisch und authentisch darzustellen. Mit seinem Schreibstil hat er eine zu Herzen gehende Coming-of-Age Geschichte verfasst, die einem noch lange im Gedächtnis bleibt und nachwirkt.

Esther Lindenau

Der Roman gehört zum Bestand der Stadtbibliothek.