Monat: Oktober 2021

Wie schön: „Julian“ ist da.

Foto © Stadtbibliothek

Endlich sind alle Möbel geliefert worden, die wir über die Stiftungsgelder von “Town Country” beschafft haben. Damit konnte nun der Wunsch vieler Eltern und Kinder, dass wir auch Stühle in Kinderhöhe mit passendem Tisch haben, erfüllt werden. Die Plastikstühlchen heißen „Julian“ und die kleinen Kinder lieben sie.

Der Lesetipp im Oktober erzählt von einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte.

Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz, Joachim Seng ( 2017):

Monsieur Göthè

Goethes unbekannter Großvater,

Die Andere Bibliothek, 480 S.

Buchcover © Die Andere Bibliothek

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) geht in seiner Autobiographie “Dichtung und Wahrheit” ausführlich auf seine Vorfahren mütterlicherseits ein, besonders auf seinen Großvater Johann Wolfgang Textor (1693-1771). Von seinen Vorfahren väterlicherseits ist kaum einmal die Rede. Dabei stammt der Reichtum des Dichterfürsten und seiner Nachkommen hauptsächlich von diesem Großvater, Friedrich Georg Göthe (1657-1730), der aus einer Familie von Handwerkern kommt. Der Sohn eines Hufschmieds wurde Schneider, ging mit 17 Jahren auf die Walz und wanderte zwölf Jahre als Schneidergeselle durch Deutschland und Frankeich. Er durchquerte zunächst Mittel-und Norddeutschland und ließ sich dann vier Jahre in Lyon nieder, dem damaligen Weltzentrum der französischen Seiden- und Modeindustrie. Dort fügte er seinem Namen einen Accent aigu hinzu und nannte sich fortan Göthé. Erst sein Sohn Johann Caspar (1710-1782), Goethes Vater, latinisierte den Namen in Goethe.

1686 ging Friedrich Georg Göthé nach Frankfurt, heiratete die Tochter eines Schneidermeisters und konnte so Frankfurter Bürger und Zunftmeister werden. Er startete eine außerordentlich erfolgreiche Karriere als Damenschneider, belieferte die Frankfurter Patrizier z.B. den Darmstädter Landgrafenhof und erwarb großen Wohlstand. Amüsant liest sich das Kapitel über den Prozess des Großvaters gegen Goethes Ururgroßvater Textor, weil dieser die Kleiderrechnungen seiner geschiedenen Frau nicht bezahlt hatte. Textor starb über diesem Prozess, und der Großvater blieb auf seinen Kosten sitzen. Über diesen Prozess gibt es eine herrliche CD, im schönsten Hessisch gebabbelt.

1705 heiratete der Witwer die Wirtin des vornehmen Gasthofs “Weidenhof” auf der Zeil und aus dem Schneidermeister wurde ein Gastwirt. Diese begüterte Dame war auch die Besitzerin der zwei Häuser am Hirschgraben, die Goethes Vater zu einem kleinen Stadtpalast umbauen ließ, in dem seine beiden Kinder geboren wurden. Der Großvater starb 1730, und die gedruckt erhaltene Grabrede ist eines der wenigen Dokumente, die Auskunft zu seinem Leben geben können.

Das Buch liest sich spannend und kurzweilig zugleich. Wer glaubt, über Goethes Leben einigermaßen Bescheid zu wissen, wird hier allerhand Neues finden.

Prof. Dr. Manfred Mörl

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