Lily King (2015): Euphoria, C.H. Beck, 259 S.

Buchcover © C.H. Beck Verlag

Eines vorweg:  Auch wenn starke Bezüge zum Leben und Forschen der berühmten Ethnologin Margaret Mead (1901-1978), die über die Sexualität bei südpazifischen Kulturen forschte,  unübersehbar sind – die Geschichte ist fiktiv. Gleichwohl hat die Autorin sorgfältig zum Thema recherchiert und benennt ihre Quellen im Kapitel Danksagung.

Worum geht es? Die berühmte amerikanische Ethnologin Nell Stone befindet sich mit ihrem Ehemann Fen auf Forschungsreise in Neuguinea. Dort treffen sie 1932 auf den Briten Andrew Bankson, ebenfalls Ethnologe. Sie entschließen sich, zu Dritt weiter zu forschen. Alle drei haben unterschiedliche Ansätze bei ihrer Arbeit. Während Nell sich den Menschen empathisch und vorsichtig nähert und Bankson eher die Beobachterrolle einnimmt, taucht  Fen dagegen in das Stammesleben ein. Darüber hinaus  hat er große Probleme mit der Berühmtheit seiner Frau. Diese Konstellation birgt schon für sich genommen ein nicht unerhebliches Konfliktpotential. Als Bankson sich in Nell verliebt und sie sein Begehren erwidert, verstärken sich die Spannungen um ein Vielfaches, und es entwickelt sich eine fatale Dreiecksbeziehung.

Auch wenn sich die Geschichte ein wenig banal anhört, hat Lily King doch einen sehr empfehlenswerten Roman verfasst, der nicht umsonst mit dem Kirkus Prize ausgezeichnet und von der New York Times unter die fünf besten literarischen Bücher des Jahres 2014 gewählt wurde. Es gelingt ihr, mit ihren Schilderungen, einen Einblick in die gefährliche, beschwerliche und kräftezehrende Arbeit der Feldforschung zu geben. Der Erkenntnisgewinn ist hoch, die Lektüre nie langweilig und man wird animiert, sich einmal mit den Arbeiten  Margret Meads zu beschäftigen. Die Spannung entsteht sowohl aus den privaten wie auch beruflichen Problemen der drei Ethnologen, durch deren unterschiedliche Charaktere King eine großartige Dramatik schafft, die einen von der ersten bis zur letzten Seite mitzieht. Darüber hinaus berührt die Tragik dieser Dreiecksgeschichte, und man ist wirklich froh, dass die echte Margaret Mead glücklicher wurde.

Esther Lindenau

Das Buch gehört zum Bestand der Stadtbibliothek!