Mathijs Deen (2021): Der Schiffskoch, mare Verlag, 112 S.

Buchcover © mare Verlag

Die Mannschaft auf der Texel ist keine gewöhnliche Mannschaft – die Texel ist eben auch kein gewöhnliches Schiff. Sie ist ein Feuerschiff, das vor der niederländischen Küste vor Anker liegt. Das ist nicht unbedingt das Leben, das man sich als Seemann vorstellt und führt zu einigen seltsamen Verhaltensweisen. Insbesondere der Schiffskoch Lammert scheint eine sehr eigene Persönlichkeit zu sein. Sein ganzer Lebensinhalt besteht darin, die Crew mit immer wieder neuen Kreationen aus der Kombüse zu überraschen. So kommt er auf die Idee, eine indonesische Spezialität zu zaubern, deren entscheidende Zutat das Fleisch eines jungen Ziegenbocks ist.

Kurzerhand kauft er beim nächsten Landgang der Bäuerin Beitske ein Böckchen ab, das noch ein wenig wachsen muss, aber dann… Mit dem Argument, dass es sich um „Vorrat“ und nicht um ein lebendes Tier, das an Bord verboten ist, schmuggelt er es auf die Texel. Fortan begleitet das Klappern seiner kleinen Hufe das Leben an Bord und bringt die gewohnten Abläufe durcheinander.

Tiefe bekommt die Geschichte durch die nur angedeutete Lebensgeschichte des Schiffskoch Lammert, den in seinen Alpträumen die Erinnerungen an seine Jugend in Indonesien heimsuchen. Die geradezu poetischen Aufzeichnungen des Matrosen Gerrit Snoek zu Wind, Wetter und Zustand des Meeres geben dem Büchlein noch eine ganz eigene Farbe.

Ein skurriler, liebenswerter Lesespaß für einen Sonntagsnachmittag auf dem Sofa – die gut 100 Seiten lesen sich in einem Rutsch.

Dorothee Starke

Tipp: Das Kulturamt hat Mathijs Deen zu einer Lesung im Rahmen des Literarischen Herbstes am 21. September eingeladen.