Monat: August 2021

Großer Auftritt für die Literatur

Die Stadtbibliothek und ihre Kooperationspartner – darunter auch der Freundeskreis der Stadtbibliothek – laden zum 12. Literarischen Herbst ein.

Vom 10. bis 27. September sind drei Autorinnen und ein Autor in der Stadtbibliothek zu Gast, die aus ihren preisgekrönten Romanen vorlesen werden.
Wie gewohnt wird jede Lesung von einer „Lesepatin‟ begleitet.

Zum Auftakt der Veranstaltungen tragen Sabine Urban und Dirk Böhling am Freitag, 10. September, 20 Uhr humorvolle und scharfsinnige Gedichte und Texte von Mascha Kaléko und Erich Kästner vor. Der Pianist Hans-Jürgen Osmers ergänzt die Lesung mit romantischer Klaviermusik.

Sabine Urban Foto:Anya Zuchold
Dirk Böhling
Foto: Anya Zuchold

Der literarische Reigen wird am Montag, 13. September, 19 Uhr von der Kulturwissenschaftlerin Olivia Wenzel eröffnet. Sie stellt ihren preisgekrönten ersten Roman „1000 Serpentinen Angst‟ vor. Eine junge Frau besucht ein Theaterstück über die Wende und ist die einzige schwarze Zuschauerin im Publikum. Mit ihrem Freund sitzt sie an einem Badesee in Brandenburg und sieht vier Neonazis kommen. In New York erlebt sie den Wahlsieg Trumps. Herzergreifend, vielstimmig und mit Humor schreibt Olivia Wenzel über Herkunft und Verlust, über Lebensfreude und Einsamkeit und über die Rollen, die von der Gesellschaft einem zugewiesen werden (Verlagstext).
Moderation: Jutta Schmidt, Verein für Literatur und Politik.

Olivia Wenzel Foto:Juliane Werner

Am Dienstag, 21. September folgt dann der Niederländer Mathijs Deen mit seinem Roman „Der Schiffskoch‟. Statt die Weltmeere zu bereisen, fristet die Crew des Feuerschiffs Texel ein Leben an der Ankerkette. In der Alltagsroutine bilden die ausgefallenen Gerichte des verschrobenen Schiffskochs die einzigen Lichtblicke. Doch das Ziegenböckchen, das der Koch als Hauptzutat seines nächsten Menüs lebendig mit auf das Schiff bringt, setzt eine unerwartete Dynamik in Gang (siehe auch auf dieser Website „DerLesetipp im August‟).
Moderation: Dorothee Starke, Leiterin des Kulturamtes Bremerhaven.

Mathijs Deen Foto: Merijlin Doomenik

„Ich bin eigentlich Lyrikerin, doch dieser Matuschek war eine Figur, von der ich dachte, der kann ich eine Geschichte geben“, so Kerstin Preiwuß im Interview. Dass sie ihm, dem 40-jährigen Matuschek, dem nach dem Tod der Mutter das Leben allmählich entgleitet, eine glaubwürdige Geschichte gegeben hat, zeigt sie in „Nach Onkalo“. Lakonisch erzählt Preiwuß vom Überlebenskampf ihres oft sprachlosen Protagonisten und stellt uns die Welt der Abgehängten am Freitag, 24. September, 19 Uhr in Nahaufnahme vor.
Moderation: Dr. Beate Porombka, Jeanette Schocken Verein.

Kerstin Preiwuß Foto: Jorinde Gersina

Das Finale gestaltet am Montag, 27. September die Münchnerin Ronya Othmann mit ihrem Romandebüt „Der Sommer‟. Das Dorf liegt in Nordsyrien, nahe zur Türkei. Jeden Sommer verbringt Leyla dort. Sie riecht und schmeckt es. Sie kennt seine Geschichten. Sie weiß, wo die Koffer versteckt sind, wenn die Bewohner wieder fliehen müssen. Dringlich und berührend, wie mit aufgerissenen Augen, erzählt Ronya Othmann vom Leben im Angesicht der Auslöschung – um sich ihr zu widersetzen.
Moderation: Lena Prötzel, Landeszentrale für politische Bildung, Außenstelle Bremerhaven.

Ronya Othmann
Foto: Cihan Cakmak

Die Stadtbibliothek hat für die Veranstaltungsreihe ein Hygienekonzept ausgearbeitet. „Wir sind froh, auch in diesem Jahr bereits im September unseren Literarischen Herbst durchführen zu können. Wir hoffen, dass wir die Fenster während der Lesungen geöffnet halten können und wir haben nun auch einen Luftfilter im Veranstaltungsraum.“, freut sich die Leiterin der Stadtbibliothek Elke Albrecht. Durch die notwendigen Abstände stehen weniger Plätze als sonst zur Verfügung. Zudem wird keine Abendkasse angeboten, daher müssen die Karten spätestens am Veranstaltungstag bis 17.30 Uhr abgeholt werden. Es werden Kontaktdaten erfasst, ebenso ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung vom Eingang bis zum Platz und beim Verlassen des Platzes Pflicht. Einlass ist 30 Minuten vor Veranstaltungsbeginn.
Wo: Stadtbibliothek Bremerhaven, Bürgermeister-Smidt-Straße 10, Hanse Carré, 2. Etage
Wann: 19:00 Uhr
Eintritt: 8,-/erm. 6,00 Euro

Eintrittskarten gibt es nur im Vorverkauf in der Stadtbibliothek

Reservierungen unter der Telefonnummer 0471 /590 2555 oder per Mail an stadtbibliothek@magistrat.bremerhaven.de.
Die Karten müssen spätestens am Veranstaltungstag bis 17:30 Uhr abgeholt werden.


Der Lesetipp im August stimmt schon einmal auf den 12. Literarischen Herbst in der Stadtbibliothek ein.

Mathijs Deen (2021): Der Schiffskoch, mare Verlag, 112 S.

Buchcover © mare Verlag

Die Mannschaft auf der Texel ist keine gewöhnliche Mannschaft – die Texel ist eben auch kein gewöhnliches Schiff. Sie ist ein Feuerschiff, das vor der niederländischen Küste vor Anker liegt. Das ist nicht unbedingt das Leben, das man sich als Seemann vorstellt und führt zu einigen seltsamen Verhaltensweisen. Insbesondere der Schiffskoch Lammert scheint eine sehr eigene Persönlichkeit zu sein. Sein ganzer Lebensinhalt besteht darin, die Crew mit immer wieder neuen Kreationen aus der Kombüse zu überraschen. So kommt er auf die Idee, eine indonesische Spezialität zu zaubern, deren entscheidende Zutat das Fleisch eines jungen Ziegenbocks ist.

Kurzerhand kauft er beim nächsten Landgang der Bäuerin Beitske ein Böckchen ab, das noch ein wenig wachsen muss, aber dann… Mit dem Argument, dass es sich um „Vorrat“ und nicht um ein lebendes Tier, das an Bord verboten ist, schmuggelt er es auf die Texel. Fortan begleitet das Klappern seiner kleinen Hufe das Leben an Bord und bringt die gewohnten Abläufe durcheinander.

Tiefe bekommt die Geschichte durch die nur angedeutete Lebensgeschichte des Schiffskoch Lammert, den in seinen Alpträumen die Erinnerungen an seine Jugend in Indonesien heimsuchen. Die geradezu poetischen Aufzeichnungen des Matrosen Gerrit Snoek zu Wind, Wetter und Zustand des Meeres geben dem Büchlein noch eine ganz eigene Farbe.

Ein skurriler, liebenswerter Lesespaß für einen Sonntagsnachmittag auf dem Sofa – die gut 100 Seiten lesen sich in einem Rutsch.

Dorothee Starke

Tipp: Das Kulturamt hat Mathijs Deen zu einer Lesung im Rahmen des Literarischen Herbstes am 21. September eingeladen.

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