Minna Rytisalo (2020): Lempi das heißt Liebe, dtv, 222 S.

Coverbild Lempi, das heißt Liebe von Minna Rytisalo, ISBN-978-3-423-14748-4
Buchcover © dtv

Mai ist der Monat der Liebe, und um Liebe geht es in dem Roman „Lempi“, aber ganz anders als die Klischees in unseren Köpfen. Der Roman beginnt mit der Rückkehr des jungen finnischen Bauern Viljami von der Kriegsfront. Seine Gedanken kreisen um Lempi, die er als frischgebackene Abiturientin überraschend geheiratet hat – oder hat sie ihn geheiratet? Nach einem glücklichen Sommer war er als Soldat einberufen worden und musste seine schwangere Lempi verlassen. Per Kriegspost hat er erfahren, dass sie bei seiner Rückkehr nicht mehr da sein wird. In drängender Sprache erfahren wir von seinen unerfüllbaren Sehnsüchten, Zweifeln an sich und dem Leben angesichts der nie mehr wiederholbaren einzigartigen Liebe. Wie stark äußere Umstände – in diesem Fall der Krieg – sich auf die Liebe auswirken, ist eines der großen Themen in diesem Buch. Dies wird auch am Beispiel von Lempis Zwillingsschwester Sisko gezeigt, die sich zur gleichen Zeit in den deutschen Offizier Max verliebt. Ihre Ahnung, was Liebe wohl sein könnte, wird von den sich immer wieder ändernden Lebensumständen beeinflusst, und am Ende auch von etwas, was uns allen widerfährt: dem Alter, der Reifung und der Individualität jeder Beziehung, auch über die Erfahrung von Leid hinweg. Nur eines bleibt bei ihr immer unverändert: die Liebe zu ihrer Zwillingsschwester, mit der sie ihr Leben lang im Zwiegespräch bleibt. Demgegenüber steht die von Eifersucht und Hass geprägte, auf Viljamis und Lempis Hof arbeitende junge Magd Elli, die von Kindheit an ein schweres Leben hatte, nie geliebt war und große Sehnsucht nach der bisher unerfüllten Liebe mit einem Mann hat.

Warum erscheint der Roman empfehlenswert? Die Auseinandersetzung mit dem Thema Liebe zeigt viele oft nicht benannte Facetten des Themas und gleitet niemals ins Kitschige ab. Die Spannung der drei zeitgleichen Geschichten aus der Sicht von Viljami, Elli und Sisko läßt nie nach. Die unterschiedliche Sicht auf sich und die anderen Beteiligten und die Ereignisse und die jeweils unterschiedliche sprachliche Ausdruckweise der drei Erzählenden tragen dazu bei, die Vielschichtigkeit des Erlebten darzustellen. Man sollte das Buch nur lesen, wenn man wach und aufmerksam ist, da im Text immer wieder einzelne Sätze auftauchen, die unscheinbar wirken, aber von massiver Bedeutung für das Verständnis des Fortgangs des Romans sind. Ich habe es zweimal gelesen ohne ein Gefühl unnötiger Wiederholung.

Dr. Hans Joachim Schmeck-Lindenau

Der Titel kann in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden.